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Rundum geschützt

Wie die körpereigene Abwehr funktioniert – und was Eltern tun können, um das Immunsystem ihrer Kinder zu stärken

Wenn eine Infektion droht, spielt sich im Körper ein wahrer Krimi ab: Fiese Eindringlinge, die Krankheit und Elend verbreiten wollen, müssen von der körpereigenen Polizei unschädlich gemacht werden. Kaum hat die Polizei die potenziellen Krankheitserreger dingfest gemacht, werden sie speziell abgerichteten weißen Blutkörperchen zum Fraß vorgeworfen. Eine Bedingung muss allerdings erfüllt sein, damit am Ende das Gute siegt: Die körpereigene Abwehr muss in der Lage sein, harmlose von bösen Eindringlingen zu unterscheiden. Und dazu muss sie erst einmal möglichst viele Keime, Bakterien und Viren kennenlernen. Deshalb ist es so gut, wenn Kinder beim Spielen im Matsch, in Hallenbädern oder im Kindergarten mit einer großen Auswahl von ihnen in Berührung kommen: Denn das sorgt für einen ständigen Erfahrungszuwachs der Köperabwehr.

Training für die Abwehrkräfte

Kein Wunder, dass der kindliche Körper in den ersten Lebensjahren so häufig damit beschäftigt ist, mit immer neuen Infekten fertig zu werden. Dass Kinder bis zu zwölf Mal im Jahr an Husten, Schnupfen und Darminfekten erkranken, ist bis zum Schuleintritt ganz normal. Dafür werden sie später mit einem intakten Immunsystem belohnt: Erwachsene bemerken 95 Prozent der Infektionen gar nicht – weil der Körper seine „Pappenheimer“ schon kennt und ohne viel Aufhebens wieder vertreibt. Das funktioniert schon bei Kindern im fünften, sechsten Lebensjahr so, vorausgesetzt, ihr Immunsystem bekommt die nötigen Stimuli.

„Das ist wie beim Lernverhalten. Kinder, die in den ersten fünf Jahren zu Hause vor dem TV-Gerät sich selbst überlassen sind – also keine Stimuli hatten – sind oft schlechte Schüler und damit für das Leben nicht gut gerüstet“, erklärt Prof. Werner Solbach vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene der Uniklinik Schleswig-Holstein. Daher sei es wichtig, dem kindlichen Immunsystem schon früh „Futter“ zu geben. „Mehr denn je gilt der Satz: ,Dreck macht Speck‘. Will heißen: Gebt den Kindern in den ersten Lebensjahren die Chance, möglichst viel von der Welt kennenzulernen, also auch von der mikrobiellen Welt. Hierzu gehört ganz wesentlich der Kontakt mit den normalen Umweltkeimen“, sagt Prof. Werner Solbach. Die Fähigkeit, Krankheiten abzuwehren, müsse von jedem Abwehrsystem individuell erlernt werden, bestätigt auch Dr. Anja Gerecke vom Centrum für Chronische Immundefizienz an der Unikinderklinik in Freiburg. „Jeder Mensch prägt im Laufe seines Lebens sein ganz eigenes Immunsystem aus“, so die Ärztin.

Zu viel Hygiene ist also tatsächlich schlecht für die körpereigenen Abwehr. Zudem erhöht sie die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu entwickeln. Denn gerade ein besonders keimfreies Umfeld sorgt dafür, dass das Immunsystem plötzlich Stoffe abwehrt, die dem Körper eigentlich nicht schaden, wie Blütenpollen oder Tierhaare. So ergab eine europaweite Studie des von Haunerschen Kinderspitals München, dass Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen und regelmäßig in Kontakt mit Stalltieren kommen, nur halb so viele Allergien haben wie ihre Altersgenossen. Laut Deutschem Allergie- und Asthmabund können sich auch Stadtkinder gegen Allergien schützen, indem sie viel Zeit mit Kühen, Ziegen & Co. verbringen; dazu müssten sie sie allerdings mehrmals pro Woche in ihrem Stall besuchen.


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